Behandlungsmethoden

Achtsamkeitsbasierte Verfahren

Bereich schließen und zurückAchtsamkeit - Nichts Besonderes?
Achtsamkeit heißt, alles, was im gegenwärtigen Moment geschieht bewusst wahrzunehmen. Durch Achtsamkeit erkennen wir, dass unser Leben aus einer Folge von Augenblicken besteht. Es wird möglich, innezuhalten - die Atmung, den Körper und die Gedanken aufmerksam wahrzunehmen, ohne sie direkt beurteilen oder verändern zu müssen. Dadurch ist ein tieferes Verständnis für uns selbst möglich. Unsere Fähigkeiten, in stressigen oder kritischen Situationen wach und aufmerksam zu handeln, ohne uns in der Situation zu verlieren und nur noch automatisch zu reagieren, werden größer.

 

Die Möglichkeiten Achtsamkeit zu erlernen und zu praktizieren sind dabei sehr vielfältig. Das evidenzbasierte Programm MSC (Mindful Self-Compassion) von Dr. Christopher Germer und Dr. Kristin Neff ist ein Beispiel dafür. In diesem Übungsprogramm werden gezielt die Qualitäten Mitgefühl und Selbstmitgefühl geübt und kultiviert. Dadurch wird es möglich uns im Leben mit mehr Güte, Fürsorge und Verständnis zu begegnen und weniger kritisch und streng mit uns selbst zu sein. Kleine Übungen, die Sie peu à peu in Ihren Alltag integrieren können, helfen Ihnen, Selbstmitgefühl zu einem selbstverständlichen Bestandteil Ihres Lebens werden zu lassen.

Schematherapie - eine Erweiterung der Verhaltenstherapie

Unter Schematherapie verstehen wir ein von Jeffrey Young (New York) entwickeltes integratives Psychotherapieverfahren zur Erklärung und Behandlung psychischer Störungsbilder. ‚Integrativ’ bedeutet, dass Elemente aus verschiedenen Psychotherapieschulen (Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologie, Achtsamkeitsbasierte Ansätze) verbunden werden. Ziel der Schematherapie ist es, ungünstige Interaktionsmuster (sogenannte Schemata) eines Menschen zu identifizieren, ihre Ursachen in der Biographie zu verstehen und daraus resultierende dysfunktionale Denk- und Verhaltensweisen im Hier und Jetzt und für die Zukunft zu verändern.

 

Aber wie entstehen nun diese ungünstigen Schemata? Wenn in der Kindheit und Jugend bestimmte Grundbedürfnisse dauerhaft nicht erfüllt werden, dann bilden wir ein inneres Muster von ebensolchen Situationen, eine Art Schablone, die uns hilft, solche oder ähnliche für uns „gefährliche“ Situationen in der Zukunft besser zu erkennen und einzuordnen. In unserem späteren Leben kann genau das aber hinderlich werden, da wir die so gebildeten Schemata nicht hinterfragen. Meist sind sie uns nicht einmal bewusst. Wir schauen unsere Gegenwart durch die „Schema-Brille“ hindurch an und reagieren in ähnlicher Art und Weise wie früher, obwohl das vielleicht in der Gegenwart gar nicht mehr angemessen und hilfreich ist.

In der Schematherapie beschäftigen wir uns daher zunächst mit der Vergangenheit, um zu verstehen wie diese Muster entstanden sind. Dabei geht es nicht so sehr um die Identifikation „der Schuldigen“, sondern eher um die Beschäftigung mit Fragen wie: „Wie ging es mir in diesen Situationen damals?“, „Was habe ich gefühlt und was hätte ich eigentlich gebraucht?“ „Welche Strategien musste ich erlernen, um in diesen Situationen zu Recht zu kommen?“ In diesem Sinne geht es bei der Betrachtung der Vergangenheit vor allem um Selbsterkenntnis und der Erarbeitung einer akzeptierenden Haltung zu dem Gewesenen. Insbesondere die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie hat Wesentliches dazu beigetragen, aus der Betrachtung der Entwicklungsgeschichte eines Menschen ein tieferes Verständnis für sein Seelenleben zu erlangen.

In einem nächsten Schritt beschäftigt sich die Schematherapie mit unseren inneren Erlebnissen und Verhaltensweisen im Hier und Jetzt. Zentral dabei ist es die aktuellen Gefühle und Bedürfnisse zu erkennen und die hinderlichen Muster und deren Nachteile im Alltag zu bemerken. Dies hat viel mit dem Erlernen einer nichtwertenden Beobachtungshaltung zu tun, die als „Achtsamkeit“ heute in aller Munde ist.

Und zum Schluss geht es um eine Veränderung dieser ungünstigen Muster. Hierbei nutzt die Schematherapie insbesondere die Methoden der klassischen Verhaltenstherapie. Hilfreiche Fragen können hierbei sein „Was will ich tun, wie will ich mich verändern?“ „Was sind eigentlich meine Bedürfnisse, die ich mir erfüllen will, was sind meine Werte und meine Ziele?“

In diesem Sinne stellt sich die Schematherapie als ein Therapieschulen-übergreifendes Psychotherapieverfahren dar, das wertvolle und hilfreiche Elemente aus verschiedenen therapeutischen Verfahren zu einem harmonischen Ganzen vereint und in besonderer Weise zur Behandlung von psychischen Erkrankungen beiträgt.

Gruppentherapie

Psychische Probleme entwickeln sich oft im Umgang und in der Beziehung mit anderen Menschen. Häufig sind uns unsere Beziehungsmuster mit denen wir anderen Menschen begegnen nicht bewusst, steuern aber unser Verhalten in gedanklicher wie emotionaler Hinsicht.

 

Bei einer psychotherapeutischen Gruppensitzung treten die Teilnehmer/innen durch das Gespräch in Kontakt. Daraus entwickeln sich ähnlich wie auch sonst im Alltag Gruppenprozesse, wie bspw. Konflikte oder Rollenverteilungen, die dann in der Gruppe reflektiert werden. Dadurch kann sich die Selbst- und Fremdwahrnehmung der Teilnehmer/innen erweitern, belastendes Verhalten erkannt und unter den geschützten Bedingungen der Gruppe verändert werden. Das Gruppensetting bietet demnach eine hervorragende Möglichkeit, soziale Situationen, die mit Stress oder Konflikten verbunden sind, besser zu verstehen und in der Gruppe neu zu erleben.

Oft stellt sich im Verlauf der Gruppentherapie ein Erleben von Zusammenhalt und Zugehörigkeit ein, was für viele Patienten überraschend ist, aber als ebenfalls sehr unterstützend erlebt wird.

Ablauf und Rahmen

Bei der Gruppentherapie kommen vier bis acht Teilnehmer in einer Therapiegruppe zusammen. Zu Beginn finden für alle Teilnehmer Einzelsitzungen mit dem Therapeuten statt. Diese dienen dem Kennenlernen und der Vorbereitung auf die Gruppe. Anschließend finden wöchentliche Termine, die meist 100 min umfassen, statt. Begleitend können nach Bedarf immer wieder Einzelsitzungen genommen werden, in denen individuelle Themen im Vordergrund stehen.